space and designstrategies research

VL3_ss10

S E M I N A R ss10 -> Public Space 2.0 /student blog

In our seminar we will examine characteristics of common social media such as facebook, twitter, netlog, ect. To understand potential implications of such media in regards to our understanding of public space as urban field of collective interest, behaviour and potential interaction.
VL1 17.03. -> Hidden Issues regarding Social Media and Participation
VL2 14.04.
-> ANTI-blog produced by s&d students
VL3 05.05. -> `Creation´ outside of Professional Routines and Practices
VL4 02.06. -> Networking and Communication
VL5 16.06. -> Social Media and Public Space

DESIGN*/ extensionaler Anwendungsbereich des Wortes ist gewachsen:
Design lässt sich auf immer größere Produktionsgefüge anwenden; das Spektrum der zu designenden Dinge ist breiter worden, und lässt sich nicht mehr auf eine Liste von Gebrauchs- oder Luxusgütern beschränken

(
* VL nach einem exzerpt /svk_100421/ aus: „Ein vorsichtiger Prometheus? Design im Zeitalter des Klimawandels“ von Bruno Latour, in arch+ #196/197: Post Oil City)

>heute ist alles Design<

 

Erbschaft aus der Moderne verflüchtigt sich:
Gegensatz zwischen Materialität auf der einen Seite und Design auf der anderen Seite

Beobachtung heute:
Je mehr neutrale Tatsachen (matters of facts) in uns angehende Sachen (matters of concern) umgewandelt werden, desto mehr werden aus ihnen Design-Objekte

Gegenwärtige, historische Situation ist durch einen vollständigen Bruch zwischen zwei großen alternativen Narrationen (Leidenschaften) definiert:

//der eine handelt von der Emanzipation (die der offiziellen Geschichte) ///
...der Loslösung, Modernisierung, Entwicklung und Beherrschung
// der andere handelt von Bindung (die der verborgenen Geschichte) ///
...von der Zuwendung, Verwicklung, Abhängigkeit und Fürsorge

 

"Architectural experimentation, gripped correctly, is a political hammer, demolishing the primitive shack of thought currently guiding architectural ideologies. K/K R&D seeks poltical alternatives to these increasing irrelevant dogmas. Politics exist beyond prime time, chaos is not a theory, buildin gs are not literary, and technology is not an advertising slogan. ()"
Kaplan & Krueger, New York, 1989

 

BUREAU-DICTO, Renegade City, 1990

Design als Prüfstein, auf welchem Weg wir uns befinden:
“Je mehr wir uns als Designer verstehen, desto weniger verstehen wir uns als Modernisierer.“ Bruno Latour*
- wenn wir sagen, dass alles designt und redesignt werden muß - inkl. der Natur - dann ist etwas impliziert wie: weder wird revolutioniert noch modernisiert werden

„Um es provokanter zu formulieren: ich möchte behaupten, dass Design einer der Begriffe ist, die das Wort `Revolution´ ersetzt haben!“ Bruno Latour* 

 

Implizite Dimensionen (Vorteile) von Design:

I. Bescheidenheit _NOTIFICATOR, 1935


 
II. Kunstfertigkeit, Geschicklichkeit, große Aufmerksamkeit fürs Detail
- versus revolutionärer, modernisierender Dynamik der jüngeren Vergangenheit, mit ihrem rasanten Lauf des Forschritts

 

 

 

 

 

 

- es ist als hätten wir die Ingenieurstradition mit dem Vorsorgeprinzip zu verknüpfen

III. die dritte Konnotation des Wortes Design: semiotisches Geschick
Aufgabe kreist um `Bedeutung´, wenn man das Design irgendeines Artfacts analysiert, sei es die symbolische, die kommerzielle oder eine andere Bedeutung
- indem man Artefakte in Begriffen von Design nachdenkt, begreift man sie weniger als `modernistische Objekte´, sondern vielmehr als `Dinge´

FREE THE LISTENING by Joo Youn Paek

DINGE = Artefakte werden begreiflich als komplexe Versammlungen widersprüchlicher Sachverhalte = Wenn man Dinge als gut oder schlecht designt ansieht, dann erscheinen sie nicht länger als unabänderliche Tatsachen, dh. In dem Maße, in dem sich ihre Erscheinung als unabänderliche Tatsachen abschwächt, wird ihr Platz unter den vielen veränderbaren Dingen, die uns angehen, um die wir uns kümmern müssen, gestärkt.


Zur Transformation von Objekten in Zeichen – stark beschleunigt durch den Computer, die Digitalisierung trug dazu bei, die Semiotik bis ins Zentrum der Objektivität hinein auszuweiten... so dass die Hermeneutik tiefer und tiefer in die Definition der Materialität eingedrungen ist; alte Dichotomie zwischen Form und Funktion bei einem Hammer, einer Lokomotive oder einem Stuhl noch annähernd aufrechterhalten werden kann, wird sie doch, etwa auf ein Mobiltelefon angewandt, lächerlich.


Wo soll man die Grenze ziehen zwischen Form und Funktion? ..ein solches Artfact besteht von oben bis unten nur aus Schrift! Doch dies gilt nicht nur computerisierte Artefakte und Gadgets. Es gilt ebenso für die gute alte Materialität. Was sind Nano- und Biotechnologien anderes als die Ausdehnung von Design auf eine andere Ebene?


IV. Konnotation_designen heißt immer re-designen:
stets ist bereits etwas da, das als Gegebenheit, als Sachverhalt, als Problem existiert. Design ist nie Schöpfung aus dem Nichts. „Design ist das Gegengift gegen Grundlegung, Kolonialisierung, Errichtung oder den Bruch mit der Vergangenheit. Es ist ein Gegengift gegen Hybris und die Suche nach absoluter Gewissheit, ein Gegenmittel gegen radikale Abschiede und absolute Neuanfänge.

BUMP by Assocreation

 

 

 

 

 

 

V. ethische Dimensionen:
Impliziert in der einhergehenden Frage nach gutem oder schlechtem Design... in einem modernistischen Verständnis/ Stil waren Güte/Schlechtigkeit Eigenschaften, die Tatsachen auf keinen Fall besitzen konnten. Tatsachen konnten nur still da sein, unabänderlich und in weiter Entfernung von jedem normativen Urteil. Ihr ganzer Zweck bestand darin, die Tatsache/wert-Unterscheidung überhaupt erst zu ermöglichen: ´Wir sind da, egal ob es euch gefällt oder nicht.´

RECURRENCIES by Ashok Sukumaran

 

- die Ausweitung des Designs auf die innere Begriffsbestimmung bringt nicht nur Bedeutung und Hermeneutik mit sich, sondern auch Moral
- sobald man beginnt nicht nur Städte, Landschaften, Naturparks und Gesellschaft zu designen, sondern auch Gene, Gehirne und Chips, darf man keinem Designer mehr erlauben, sich hinter dem Schutzschild der Tatsachen zu verstecken. Kein Designer wird sagen dürfen: ich stelle nur fest, was existiert; ich errechne bloß die Summe; ich ziehe nur Konsequenzen aus den Naturgesetzen.
- Diese dem Design inhärente normative Dimension bietet ein gute Handhabe, um die Frage des Designs auf die Politik zu erweitern

DASEIN ist Design (Satz von Henk Osterling... Spezialist des Werks von Sloterdijk)

- während modernistische oder anti-modernistische Geschichtsphilosophien stets nur eine Erzählung betrachten – die des Fortschritts oder des Scheiterns des Forschritts - zeigt Sloterdijk, wie sich die Geschichten von Emanzipation und Bindung zu einer einzigen Geschichte zusammenziehen können. Emanzipiert und gebunden sein, sind zwei Verkörperungen desselben Ereignisses, sofern man die Aufmerksamkeit darauf lenkt, wie gut oder schlecht artifizielle Atmosphären designt sein können.


Begriff der „Explikation“ (nach Sloterdijk):

- Explikation ist eine Konsequenz des Konzepts der Hüllen

- wir sind eingewickelt, umhüllt... wir sind nie draußen, es sei denn, wir hätten eine andere fragilere, technologisch raffiniertere Hülle neu geschaffen

- Wir bewegen uns von Hüllen zu Hüllen, von Falten zu Falten, nie von einer Privatsphäre zum `Großen Aussen´

- Modernismus ist nichts mehr weiter als ein Stil; die Ästhetik der Tatsachen ist stets eine historisch situierte Ästhetik, eine Weise Gegenstände zu beleuchten, zu rahmen, zu präsentieren, den Blick der Betrachter zu situieren

- in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts ist der Modernismus genau in dem Maße verschwunden, in dem die Lebenserhaltungssysteme expliziter gemacht worden sind, eines nach dem anderen, nach einer solchen Sichtweise bestehen ökologische Krisen in der langsamen und schmerzlichen Realisierung, dass es kein Aussen mehr gibt; das bedeutet, dass keines der für die Lebenserhaltung notwendigen Elemente für unabänderlich gegeben erachtet werden kann


- Wissenschaft und Technologie lassen sich in dem Begriff der Explikation, am Falten von Hüllen in Hüllen, wirksam wiedergewinnen

- Humanisten beschäftigen sich allein mit dem Menschen; alles Übrige ist für sie bloße Materialität oder kalte Objektivität; sie können sich nicht vorstellen, dass Objekte Dinge sein können, dass unabänderliche Tatsachen umstrittene Sachen sein können; hier hat eine Verschiebung in der Definition der Materie stattgefunden: das gesamte modernistische Paket der `Tatsachen´ muss nicht mehr importiert werden, da wir Wissenschaft und Technik haben können, ohne dass Naturalisierung folgt; nicht nur ist die Natur als das große Außen menschlichen Handelns verschwunden (inzwischen eine Alltagsweisheit), sondern ebenso wird die Idee obsolet, dass das Heranziehen des Wissens von Wissenschaftler und Ingenieuren zu der Beantwortung einer Frage notwendigerweise bedeutet, auf die unbezweifelbaren Gesetze der Natur zurückzugreifen; die stets mit Design assoziierten Elemente von Bastelei und Flickerei haben die natur erobert; oder vielmehr: Sie sind der Natur inhärent, wenn wir Darwinsche Wege als eine clevere Form von Bastelei, von `intelligentem´, obgleich blindem `Design´ verstehen.

Etwas zu designen erlaubt uns, nicht nur die semiotische Frage nach der Bedeutung, sondern ebenso die normative Frage nach der Qualität des Designs zu stellen.
Artifizialität ist unser Schicksal, das bedeutet aber nicht, dass wir für immer die modernistische Definition eines Artefacts akzeptieren müssen. Es liegt nicht notwendigerweise etwas Posthumanes im Umhüllen, Einfalten, Verhüllen von Menschen in ihrer Lebenserhaltung.

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kunst universitˆ§t linz